Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI: Bedeutung, Unterschiede und Anforderungen

E, EW oder EI? Feuerwiderstandsklassen richtig verstehen

Warum Feuerwiderstandsklassen im Brandschutz unverzichtbar sind

Bei einem Brand entscheidet häufig die verfügbare Zeit über den Verlauf eines Ereignisses. Feuer, Rauch und hohe Temperaturen müssen möglichst lange auf einen begrenzten Bereich beschränkt bleiben, damit Menschen das Gebäude sicher verlassen können und Rettungskräfte ausreichend Zeit zum Handeln haben.

Damit Bauteile diese Aufgabe zuverlässig erfüllen, werden sie nach festgelegten europäischen Prüfverfahren getestet. Die Grundlage hierfür bildet unter anderem die Norm EN 13501-2. Sie definiert, wie Wände, Türen, Verglasungen und andere Bauteile im Brandfall bewertet und klassifiziert werden.

Die Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI beschreiben dabei die jeweilige Schutzwirkung eines Bauteils. Sie geben Auskunft darüber, welche Anforderungen erfüllt werden und wie lange diese Eigenschaften im Brandversuch nachgewiesen wurden. Wer die Unterschiede kennt, kann Brandschutzanforderungen besser verstehen und Bauprojekte sicher planen.

Was bedeuten die Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI?

Die drei Buchstaben stehen für unterschiedliche Schutzziele im Brandschutz.

E – Raumabschluss

Die Klasse E bescheinigt einem Bauteil die Fähigkeit, Flammen und heiße Brandgase zurückzuhalten. Während der geprüften Zeit darf kein Feuer auf die gegenüberliegende Seite gelangen.

W – Begrenzung der Wärmestrahlung

Zusätzlich zum Raumabschluss wird bei der Klasse W die Wärmestrahlung begrenzt. Dadurch wird verhindert, dass Personen oder brennbare Materialien auf der feuerabgewandten Seite durch intensive Strahlungswärme gefährdet werden.

I – Wärmedämmung

Die Klasse I stellt die höchsten Anforderungen. Neben dem Raumabschluss muss das Bauteil sicherstellen, dass die Temperatur auf der vom Feuer abgewandten Seite nur begrenzt ansteigt. Dadurch wird eine Wärmeübertragung auf angrenzende Bereiche reduziert.

In der Praxis werden die Buchstaben mit einer Zeitangabe kombiniert. Beispiele sind E 30, EW 60 oder EI 90. Die Zahl gibt an, wie viele Minuten das Bauteil die geforderten Eigenschaften im Brandversuch nachgewiesen hat.

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Wie werden Feuerwiderstandsklassen geprüft?

Die Einstufung erfolgt im Rahmen standardisierter Brandprüfungen. Dabei wird das Bauteil auf einer Seite entsprechend der Einheitstemperaturkurve (ETK) befeuert.

Innerhalb kurzer Zeit steigen die Temperaturen im Prüfofen auf Werte von deutlich über 800 °C an. Während der gesamten Prüfung wird kontrolliert, ob die festgelegten Anforderungen eingehalten werden.

Für die jeweiligen Klassen gelten folgende Kriterien:

E

  • Kein Durchtritt von Flammen
  • Kein Durchtritt heißer Brandgase
  • Keine unzulässigen Öffnungen oder Risse

W

  • Maximale Wärmestrahlung von 15 kW/m² auf der feuerabgewandten Seite

I

  • Durchschnittlicher Temperaturanstieg von maximal 140 °C
  • Temperaturanstieg an einzelnen Messpunkten von maximal 180 °C

Erfüllt ein Bauteil diese Anforderungen über den geprüften Zeitraum hinweg, erhält es die entsprechende Klassifizierung.

Ein Bauteil der Klasse EI 90 bietet beispielsweise mindestens 90 Minuten lang Raumabschluss und Wärmedämmung.

Was bedeutet EI 60 konkret?

Die Feuerwiderstandsklasse EI 60 besagt, dass ein Bauteil mindestens 60 Minuten lang sowohl den Durchtritt von Feuer verhindert als auch die Wärmeübertragung auf die gegenüberliegende Seite begrenzt.

In vielen Prüfungen erreichen moderne Systeme sogar längere Standzeiten als die geforderte Mindestdauer. Für die bauaufsichtliche Bewertung ist jedoch ausschließlich die offiziell geprüfte und nachgewiesene Klassifizierung maßgeblich.

Warum diese Einteilung so wichtig ist

Feuerwiderstandsklassen dienen nicht nur der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des vorbeugenden Brandschutzes und tragen dazu bei, Menschenleben sowie Sachwerte zu schützen.

Die richtige Klassifizierung sorgt dafür, dass Fluchtwege länger nutzbar bleiben, Brandabschnitte wirksam voneinander getrennt werden und sich Feuer nicht unkontrolliert auf weitere Gebäudebereiche ausbreiten kann.

Vor allem moderne Architektur mit offenen Raumkonzepten und großflächigen Verglasungen erfordert durchdachte Brandschutzlösungen, die Sicherheit und Transparenz miteinander verbinden.

Wann kommt EW 30 zum Einsatz?

In verschiedenen europäischen Ländern wird die Feuerwiderstandsklasse EW 30 genutzt, um neben dem Raumabschluss auch die Wärmestrahlung zu begrenzen. Dadurch können insbesondere Flucht- und Rettungswege zusätzlich geschützt werden.

In Deutschland besitzt diese Klassifizierung jedoch nur eine geringe praktische Bedeutung, da sie bauaufsichtlich kaum gefordert wird. Sie wird dennoch häufig im Zusammenhang mit internationalen Projekten oder europäischen Regelwerken erwähnt.

Normen und rechtliche Grundlagen

Die Klassifizierung von Bauteilen erfolgt europaweit nach den Vorgaben der EN 13501-2. Diese Norm legt fest, wie Feuerwiderstandsklassen ermittelt und bezeichnet werden.

In Deutschland werden die Anforderungen über die Musterbauordnung (MBO) sowie die jeweiligen Landesbauordnungen umgesetzt. Dort finden sich die Vorgaben für feuerhemmende, hochfeuerhemmende und feuerbeständige Bauteile.

Die tatsächlich erforderliche Feuerwiderstandsklasse hängt jedoch immer vom konkreten Bauvorhaben und den geltenden landesrechtlichen Bestimmungen ab.

Typische Anforderungen sind beispielsweise:

  • Treppenräume und Fluchtwege: häufig mindestens EI 30
  • Trennungen zwischen Nutzungseinheiten oder Brandabschnitten: häufig EI 90 bis EI 120

Da sich die Anforderungen zwischen den Bundesländern unterscheiden können, sollte die erforderliche Klassifizierung bereits frühzeitig in der Planung berücksichtigt werden.

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Unterschiede auf einen Blick

Die drei Feuerwiderstandsklassen verfolgen unterschiedliche Schutzziele und bauen teilweise aufeinander auf.

Vereinfacht dargestellt gilt:

  • E verhindert die Ausbreitung von Feuer und Rauch.
  • EW bietet zusätzlich Schutz vor übermäßiger Wärmestrahlung.
  • EI begrenzt darüber hinaus die Temperaturübertragung auf die feuerabgewandte Seite.

Je höher die Anforderungen an den Personen- und Sachschutz sind, desto häufiger kommen Konstruktionen der Klasse EI zum Einsatz.

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Wie wird die passende Feuerwiderstandsklasse ausgewählt?

Welche Klassifizierung erforderlich ist, hängt immer von den Anforderungen des jeweiligen Gebäudes ab. Entscheidend sind unter anderem die Nutzung, die Anzahl der Personen im Gebäude sowie die Anforderungen des Brandschutzkonzepts.

Typische Einsatzbereiche sind:

E-Bauteile

  • Technikräume
  • Lagerräume
  • Trennwände ohne besondere Anforderungen an die Wärmedämmung

EW-Bauteile

  • Anwendungen in Ländern, in denen diese Klasse bauaufsichtlich gefordert wird
  • Bereiche mit erhöhten Anforderungen an den Schutz vor Wärmestrahlung

EI-Bauteile

  • Rettungs- und Fluchtwege
  • Archive
  • Laborbereiche
  • Gebäudeabschnitte mit erhöhtem Schutzbedarf

Grundsätzlich gilt: Je höher die Personendichte und je größer das mögliche Schadenspotenzial, desto höher fallen in der Regel die Anforderungen an die Feuerwiderstandsklasse aus.

Wichtiger Hinweis: Die Planung und Ausführung von Brandschutzverglasungen ist in Deutschland landesrechtlich geregelt. Deshalb können die Anforderungen je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen.

Praxisbeispiel: Brandschutzverglasung zwischen Flur und Büro

Ein häufiges Anwendungsbeispiel ist eine raumhohe Verglasung, die einen Bürobereich von einem Flur trennt.

In solchen Situationen kann ein Verglasungssystem der Klasse EI 60 eingesetzt werden. Dieses sorgt dafür, dass die Verglasung während der geprüften Feuerwiderstandsdauer dicht bleibt und gleichzeitig die Wärmeübertragung begrenzt wird.

Die spezielle Brandschutzschicht im Glas reagiert auf die Hitzeeinwirkung und bildet eine isolierende Barriere. Dadurch bleibt die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite innerhalb der zulässigen Grenzwerte.

Das Ergebnis: Fluchtwege bleiben länger nutzbar und angrenzende Materialien werden vor einer kritischen Erwärmung geschützt.

Warum Hydrogel-Technologie im Brandschutz eingesetzt wird

Viele moderne Brandschutzverglasungen basieren auf speziellen Hydrogel-Schichten, die zwischen den Glasscheiben angeordnet sind.

Kommt es zu einem Brand, reagiert das Hydrogel auf die starke Hitzeeinwirkung. Das enthaltene Wasser verdampft und entzieht dem System Energie. Gleichzeitig entsteht eine lichtundurchlässige Schutzschicht, die die Wärmeübertragung deutlich reduziert.

Durch diesen Effekt bleibt die Temperatur auf der vom Feuer abgewandten Seite wesentlich niedriger als ohne Brandschutzschicht.

Diese Technologie hat sich insbesondere bei Verglasungen der Klassen EI bewährt und ermöglicht transparente Lösungen mit hoher Schutzwirkung.

Brandschutzglas kann mehr als Feuer schützen

Moderne Brandschutzverglasungen übernehmen heute oft mehrere Funktionen gleichzeitig und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gebäudequalität.

Je nach Aufbau können sie zusätzlich folgende Eigenschaften bieten:

Wärmedämmung

Hochwertige Glasaufbauten erreichen Ug-Werte von bis zu 0,5 W/(m²K) und unterstützen damit energieeffiziente Gebäudekonzepte.

Schallschutz

Je nach System sind Schalldämmwerte von bis zu 46 dB Rw möglich. Dadurch eignen sich Brandschutzverglasungen auch für Bürogebäude, Kliniken oder Bildungseinrichtungen.

Hohe Lichtdurchlässigkeit

Lichttransmissionswerte von bis zu 86 Prozent sorgen dafür, dass Innenräume trotz hoher Sicherheitsanforderungen hell und offen wirken.

UV-Beständigkeit

Moderne Brandschutzverglasungen sind dauerhaft UV-beständig und behalten ihre optischen Eigenschaften über viele Jahre hinweg.

Tageslicht für mehr Aufenthaltsqualität

Die hohe Lichtdurchlässigkeit unterstützt eine angenehme Raumwirkung und kann gleichzeitig das Wohlbefinden der Nutzer positiv beeinflussen.

Diese Eigenschaften werden anhand anerkannter Normen wie EN 673, EN 410 und EN ISO 717-1 geprüft und nachgewiesen.

Sie zeigen, dass Brandschutzverglasungen heute deutlich mehr leisten als reinen Feuerwiderstand.

Nachhaltigkeit und Zukunft moderner Brandschutzverglasungen

Neben dem vorbeugenden Brandschutz gewinnen heute auch Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zunehmend an Bedeutung. Moderne Brandschutzverglasungen leisten dazu einen wichtigen Beitrag, da sie mehrere Funktionen in einem einzigen Bauteil vereinen können.

Aktuelle Systeme zeichnen sich durch lange Nutzungsdauern, recyclingfähige Komponenten und eine hohe Beständigkeit aus. Je nach Konstruktion lassen sich Rahmen aus Metall oder Holz nach dem Rückbau wiederverwerten. Gleichzeitig reduzieren multifunktionale Verglasungen den Bedarf an zusätzlichen Bauteilen und tragen so zu einer effizienteren Bauweise bei.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Kombination verschiedener Eigenschaften. Moderne Brandschutzgläser schützen nicht nur vor Feuer, sondern können gleichzeitig Schallschutz, Wärmedämmung und hohe Lichtdurchlässigkeit bieten. Dadurch entsteht ein echter Mehrwert für Planung, Nutzung und Nachhaltigkeit.

Sicherheit verstehen und richtig planen

Die Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI sind weit mehr als technische Abkürzungen. Sie beschreiben die Schutzwirkung eines Bauteils im Brandfall und geben Auskunft darüber, wie lange wichtige Funktionen erhalten bleiben.

Die richtige Auswahl der Feuerwiderstandsklasse trägt dazu bei, Menschen zu schützen, Sachwerte zu erhalten und die gesetzlichen Anforderungen im Brandschutz einzuhalten. Gleichzeitig schafft sie Planungssicherheit für Architekten, Fachplaner, Bauherren und Behörden.

Wer die Unterschiede zwischen E, EW und EI kennt, kann Brandschutzkonzepte besser bewerten und die passende Lösung für das jeweilige Bauvorhaben auswählen.

Weitere technische Informationen zu geprüften Brandschutzsystemen der Klassen EI 30 bis EI 120 finden Sie bei ARDOREX® Brandschutzglas.

Häufig gestellte Fragen zu Feuerwiderstandsklassen

Was bedeutet E bei einer Feuerwiderstandsklasse?

E steht für den Raumabschluss. Ein Bauteil dieser Klasse verhindert, dass Flammen oder heiße Brandgase auf die gegenüberliegende Seite gelangen.

Worin liegt der Unterschied zwischen EW und EI?

Die Klasse EW begrenzt zusätzlich die Wärmestrahlung. EI bietet darüber hinaus eine Wärmedämmung und reduziert den Temperaturanstieg auf der brandabgewandten Seite. Dadurch wird ein höheres Schutzniveau erreicht.

Welche Feuerwiderstandszeiten sind üblich?

Im Bauwesen werden überwiegend die Zeitstufen 30, 60, 90 und 120 Minuten verwendet. Die jeweilige Zahl gibt an, wie lange die geprüfte Schutzfunktion im Brandversuch nachgewiesen wurde.

Wie funktioniert Brandschutzglas?

Brandschutzglas enthält spezielle Brandschutzschichten zwischen den Glasscheiben. Bei starker Hitze reagieren diese Schichten und bilden eine wärmedämmende Barriere. Dadurch wird die Wärmeübertragung reduziert und die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite begrenzt.

Wo werden EI-Verglasungen eingesetzt?

Verglasungen der Klasse EI kommen überall dort zum Einsatz, wo neben dem Raumabschluss auch ein Schutz vor Wärmeübertragung gefordert wird. Typische Anwendungsbereiche sind Fluchtwege, Treppenräume, Archive, Krankenhäuser, Schulen oder Bürogebäude.

Welche Norm regelt die Feuerwiderstandsklassen?

Die Klassifizierung erfolgt nach der europäischen Norm EN 13501-2. Sie definiert die Anforderungen und Prüfverfahren für den Feuerwiderstand von Bauteilen und Verglasungen.

Autor: Marketing Abteilung Arnoldglas

Ist EW 30 in Deutschland zugelassen?

Die Klasse EW ist grundsätzlich definiert und in europäischen Regelwerken beschrieben. In Deutschland wird sie jedoch bauaufsichtlich nur selten gefordert. Die konkreten Anforderungen ergeben sich immer aus den jeweiligen Landesbauordnungen sowie dem Brandschutzkonzept des Projekts.

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